Aisha von der Oranienburg
Cicero von Perestrojka

Die Geschichte der Russisch Blau

 

" In ihrem Blick liegt ein Hauch von Melancholie

Ihr Fell zeigt die Farben des Eismeeres.

Ihren Charakter prägen Sanftmut und Würde.

Die großen Auftritte überlässt sie anderen.

Sie setzt sich leise in Szene und öffnet ihre Seele nur denen, die auf ihrer Wellenlänge liegen. " 

So beschrieb Uschi Birr einmal eine Russisch Blau.

 

Eigentlich ist dem nichts mehr hinzuzufügen.

Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es die heutzutage unter der Rasse "Russisch Blau" bekannte Katze schon im 8. und 9. Jahrhundert gab. Kleidungsstücke aus damaliger Zeit waren aus blauem Katzenfell gefertigt.

Genauere Angaben gibt es aber erst im 16. Jahrhundert unserer Zeitrechnung (ca. 1550). Da brachten britische Seefahrer blaue Katzen aus Archangelsk am Weißen Meer in ihre Heimat. Das dichte Fell der blauen Katzen lässt vermuten, dass sie damals eher der menschliche Bekleidung denn als Schmusekatze dienten.

Als Schmusekatze lebte die Blaue um 1850 am Hof des Russischen Zaren. "Vatka", ein Russisch Blau-Mädchen, taucht sogar in den Geschichtsbüchern namentlich auf.

1890 begann die offizielle Russisch Blau-Zucht. Mrs. C. Carew-Cox aus Essex (England) brachte 1883 eine blaue Katze, die auf den Namen "Olga" hörte, aus Archangelsk nach England. Mrs. Carew-Cox gilt als erste Züchterin dieser wunderschönen Rasse.

Aber unsere Russisch Blau hatte einen schweren Stand. Sie wurde mit sehr verschiedenen Namen belegt: Als "Archangelsk-Katze", "Malteser", "Spanisch Blau", selbst als "Kartäuser" oder "Foreign Blue" wurde sie bezeichnet.

Als Rassekatze waren sie zur damaligen Zeit nicht erfolgreich. Die schlanken Russisch Blau-Katzen wurden zusammen mit den kräftigen Britisch Kurzhaar und den Chartreux-Katzen bei Ausstellungen in eine Kategorie gepackt und verloren gegen die wesentlich mächtigere Konkurrenz. Mrs. Carew-Cox gab trotz des Misserfolges nicht auf und importierte weitere Russen. Sie und einige wenige englische Züchter erreichten, dass in Skandinavien und England blaue Katzen in zwei Klassen geteilt wurden: "Blue British type" (Britisch Blau) und "Blue Foreign type" (Ausländisch Blau). Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren unsere Blauen Russen in der restlichen Welt so gut wie unbekannt.

Während der Kriegsjahre drohte auch der Russisch Blau - wie vielen anderen Rassekatzen auch - das Aus. Die Menschen hatten andere Probleme, als sich mit dem Erhalt irgendwelcher Rassen zu beschäftigen.

Um die Rasse zu erhalten, wurden ab 1944 Russisch Blau-Katzen mit Siam-Katzen verpaart. Fast alle unserer heutigen "Russen" gehen auf diese Kreuzungen zurück. Entsprechend veränderte sich das Erscheinungsbild der Russisch Blau. Erst 1965 besannen sich die Engländer wieder auf den Urtyp unserer Rasse.. Sie setzen bei den Verbänden durch, dass die Russisch Blau ihren eigenen Standard bekam, dem sich alle europäischen Länder anschlossen.

Die heutige Russisch Blau entspricht im Großen und Ganzen der früheren Archangelsk-Katze: Sie hat das doppelte Fell, das ihr ein Überleben am Weißen Meer ermöglichte, sie hat die silbernen Spitzen und die grünen Augen, die Mrs. Carew-Cox beschrieben hat.

Eine spektakuläre Karriere - wie sie andere Rassen erlebt haben - blieb der Russisch Blau bis heute versagt. Bei Ausstellungen sieht man sie relativ selten.